Verhaltenskodex der GWN
Die Reckahner Reflexionen bilden die Basis für den Verhaltenskodex der Grundschule Wolbeck-Nord. Die sechs ethischen Leitlinien der Reckahner Reflexionen schaffen die Grundlage für die Gestaltung guter, tragfähiger, professioneller pädagogischer Beziehungen in unserem Schulleben. Zentrales Anliegen ist es, die Würde aller in der Grundschule Wolbeck-Nord lebenden Menschen zu stärken.
Handout-Reckahner-Reflexionen.pdf (paedagogische-beziehungen.eu)
Der Verhaltenskodex dient dem gegenseitigen Austausch und der gemeinsamen Reflexion aller an der Schule tätigen pädagogischen Kräfte über gelebte Werte und Normen, demokratische, ethische und soziale Aspekte. Als Schule gemeinsamen Lernens fördern wir innerhalb der Schulgemeinschaft unser Verständnis, Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Normalität anzuerkennen. Die Achtung und Anerkennung von Diversität umfasst die respektvolle und wertschätzende Auseinandersetzung mit „unterschiedlichen Lebenskonzepten und Lebensstilen sowie die Achtung von Menschen unbeschadet ihrer familiären, sozialen, kulturellen und religiösen Kontexte, ihrer sexuellen Orientierung sowie spezifischer Persönlichkeitsmerkmale.“ (vgl. Referenzrahmen Schulqualität, Kriterium 3.2.2, AA4)
Die im Verhaltenskodex formulierten Grundsätze schaffen für die pädagogischen Kräfte der Grundschule Wolbeck-Nord einen transparenten Rahmen, in dem sie handlungssicher und professionell agieren und reagieren können. Die Grundsätze dienen dem persönlichen Schutz des Kindes und sollen als Orientierungshilfe verstanden werden, um Situationen des schulischen Alltags von Situationen der Bedürftigkeit eines Kindes abgrenzen zu können.
Kinder werden wertschätzend angesprochen und behandelt.
Ansprache des Kindes
Wir sprechen das Kind mit seinem Vornamen an. Damit gemeint ist auch der mit dem Kind zuvor abgesprochene bevorzugte Vorname. Kosenamen verwenden wir nicht.
Das Kind spricht alle Erwachsenen der Grundschule Wolbeck-Nord mit seinem Vornamen an.
Wir sprechen das Kind mit einer klaren, kindorientierten, seinem Entwicklungsstand angemessenen Sprache an. Wir beschämen das Kind nicht durch abfällige Bemerkungen, Beleidigungen oder Bloßstellungen. Wir ignorieren das Kind nicht durch nonverbale und/ oder paraverbale Kommunikation wie missachtende Blicke, Gesten und/ oder Verhaltensweisen.
Umgang mit Nähe und Distanz zum Kind
Wir gestalten ein positives, angstfreies Klima des Lebens und Lernens.
Wir achten darauf, dass kein Kind begünstigt oder übervorteilt wird, sondern in diesem Sinne gleichbehandelt wird.
Wir verzichten auf Geschenke, Aufmerksamkeiten, materielle Zuwendungen aller Art (z.B. Süßigkeiten, Spielzeug) für die Lerngruppe und das einzelne Kind. Eine Ausnahme bildet das Geburtstagsritual, das ein Buchgeschenk des Geburtstagskindes vorsieht.
Wir gestalten die Beziehung zum Kind vertrauensvoll und wertschätzend. Wir achten auf einen professionellen Umgang von Nähe und Distanz.
Wir sind besonders achtsam, wenn das Kind körperliche Nähe bei einer erwachsenen Person sucht. Die Berührung des Kindes an der Schulter als beruhigende und / oder motivierende Geste ist erlaubt. Nicht erlaubt ist die Berührung des Kindes am Kopf, im Gesicht, am Körper (Brust, Rücken und Po), an den Beinen. Wir nehmen kein Kind auf den Schoß, um es zu trösten, zu umsorgen, zu betreuen. Wir verzichten auf das Umarmen und das an-die-Hand-nehmen eines Kindes. Wir kitzeln das Kind nicht. Wir küssen das Kind nicht.
Beachtung der Intim- und Privatsphäre des Kindes
Wir achten die Intimsphäre des Kindes. Wir achten darauf, dass sich das Kind in den geschlechtergetrennten Umkleidekabinen der Sport- und Schwimmhalle umzieht. Wir klopfen an der Umkleidekabine in der Sport- oder Schwimmhalle an, bevor wir den Raum betreten. Falls der Bedarf des Kindes besteht, geben wir so viel Hilfestellung beim Umziehen wie zwingend erforderlich ist. Wir leisten professionelle Hilfestellung beim Sport, falls notwendig und vom Kind erbeten.
Wir zeigen eine hohe Sensibilität bezogen auf den Körperkontakt zum Kind. Nur für die Dauer und zum Zweck einer Versorgung z.B. Pflege, Erste Hilfe, Hilfestellung im Sport ist Körperkontakt erlaubt.
In Ruhe-, Sanitär- oder vergleichbaren Räumen ist der alleinige Aufenthalt einer erwachsenen Person mit dem Kind zu unterlassen. Ausnahmen hierfür bedürfen der absoluten Transparenz. Wenn immer möglich, ist eine weitere Person hinzuzuziehen.
Auf Lerngruppenfahrten wird die Lerngruppe von mehreren pädagogischen Kräften begleitet. Wenn möglich, sollte die Lerngruppe von einer männlichen und einer weiblichen Person begleitet werden.
Wir achten die Privatsphäre des Kindes. Uns ist es wichtig, sensible Daten des Kindes zu schützen und nur an vereinbarten Orten im Teamzimmer, im Sekretariat und ggf. in der Lerngruppe unter Verschluss aufzubewahren.
Wir achten das Recht am eigenen Bild. Wir veröffentlichen Fotos, Bild- oder Videomaterial von Kindern nur mit Einwilligung der Eltern/ Erziehungsberechtigten.
Wir besprechen und reflektieren regelmäßig mit dem Kind die für unsere Schulgemeinschaft geltenden Regeln zur Nutzung des iPads.
Wir setzen Filme und Videos ein, die dem Alter des Kindes entsprechen und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.
Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte hören den Kindern zu.
Wir hören dem Kind aufmerksam und aktiv zu.
Wir gehen verantwortungsvoll mit vertraulichen Informationen über das Kind um. Wir fördern keine Geheimnisse, da diese zu Abhängigkeiten führen.
Wir holen in Verdachtsfällen aktiv Hilfe und Beratung durch interne und/ oder externe Kontaktpersonen und Institutionen ein. Bei dem Verdacht auf körperliche und/ oder seelische Gefährdung geben wir dem Kind Transparenz, dass wir uns ggf. interne und/ oder externe Hilfe holen.
Wir vermitteln dem Kind, dass die Grundschule Wolbeck-Nord ein sicherer Ort ist.
Bei Rückmeldungen zum Lernen wird das Erreichte benannt. Auf dieser Basis werden neue Lernschritte und förderliche Unterstützung benannt.
Wir zeigen eine wertschätzende Haltung gegenüber jeder Leistung des Kindes.
Wir benennen gegenüber dem Kind die Lernfortschritte, die es bereits erreicht hat.
Wir vereinbaren gemeinsam mit dem Kind die nächsten Lernschritte und besprechen mit ihm den Lernweg zum Erreichen der Kompetenz. Die Lernschritte dokumentieren wir auf der individuellen Lern- und Trainingskarte des Kindes.
Wir regen das Kind zum materialgestützten Lernen an.
Bei Rückmeldungen zum Verhalten werden bereits gelingende Verhaltensweisen benannt. Schritte zur guten Weiterentwicklung werden vereinbart. Die dauerhafte Zugehörigkeit aller zur Gemeinschaft wird gestärkt.
Wir leben eine Gesprächskultur, in der das Kind spürt, dass es seine Befindlichkeiten äußern darf. Das Kind erkennt es daran, dass ihm aktiv zugehört wird, dass ihm Raum und Zeit gegeben wird und es weiß, dass sich die jeweilige Situation nachhaltig verändert.
Wir besprechen mit dem Kind und/ oder der Lerngruppe regelmäßig die an der Grundschule Wolbeck-Nord geltenden Regeln (Hand-in-Hand-Regeln, Frühstücksregeln, Toilettenregeln, Regeln zur Nutzung der Räume, …).
Erziehungsmaßnahmen gestalten wir so, dass die persönlichen Grenzen des Kindes nicht überschritten werden. Wir achten darauf, dass diese im direkten Bezug zum Fehlverhalten stehen, verbal und nonverbal angemessen, konsequent und für das Kind plausibel sind. Jede Form von Gewalt, Nötigung, Drohung oder Freiheitsentzug vermeiden wir.
Lehrpersonen und pädagogische Fachkräfte achten auf Interessen, Freuden, Bedürfnisse, Nöte, Schmerzen und Kummer von Kindern. Sie berücksichtigen ihre Belange und den subjektiven Sinn ihres Verhaltens.
Wir beobachten das individuelle Verhalten des Kindes über einen längeren Zeitraum und suchen stets das Gespräch mit dem Kind, um den subjektiven Sinn seines Verhaltens zu verstehen.
Im Team Kind tauschen wir uns im multiprofessionellen Team über unsere Beobachtungen aus, beraten gemeinsam sinnvolle Schritte und legen Verantwortlichkeiten bezogen auf das weitere Vorgehen fest.
Wir geben Transparenz über Zuwendungen durch z.B. Elterngeschenke. Bezogen auf die Größe einer Lerngruppe sind Geschenke in Höhe von 1,- € pro Kind erlaubt.
Kinder werden zu Selbstachtung und Anerkennung der Anderen angeleitet.
Wir sind uns unserer Rolle, Sprachvorbild für das Kind zu sein, bewusst.
Wir nutzen ritualisiert gestaltete und situativ entstehende Gesprächssituationen, um dem Kind Raum für die Anerkennung und Würdigung des Gegenübers und seiner selbst zu geben.
Im Sinne der Kommunikationshygiene in den Lerngruppen gehen wir sachlich mit Gesprächsbeiträgen des Kindes um. Wir sprechen und kommentieren nicht herabwürdigend. In Situationen der Prävention und Intervention unterlassen wir Formulierungen verbaler Gewalt und Beleidigungen.
Auch in Abwesenheit des Kindes kommunizieren wir auf sachlicher Ebene. Wir unterlassen despektierliche Äußerungen über einzelne Kinder oder Lerngruppen (z.B. im Teamzimmer).
Um unserer Vorbildfunktion im Schulleben nachzukommen, ist auch der Umgang untereinander und miteinander in Sprache und Wortwahl von Wertschätzung geprägt. Diese Haltung nehmen wir gegenüber allen Mitarbeitenden und allen der Schulgemeinde Angehörigen ein.
Wir halten Kommunikationswege mit den pädagogischen Kräften des Vor- und Nachmittags vor dem Hintergrund der Rollenklarheit ein und berücksichtigen dabei den Schutz der Persönlichkeit des Kindes. Mit den Eltern/ Erziehungsberechtigten pflegen wir rein pädagogische Internetkontakte über ISERV.
Im Sinne der nonverbalen Kommunikation achten wir auf angemessene Kleidung und verzichten auf radikale, menschenverachtende Kleidung.
Wir verstehen unseren Verhaltenskodex als Chance. Er schafft einen pädagogischen Rahmen für unsere schulische Arbeit und fordert uns gleichsam auf, achtsam im Umgang miteinander zu sein.